ZKM | Museum für Neue Kunst, 17.09.2011 – 05.02.2012
 
Neil Cummings & Marysia Lewandowska
Neil Cummings
* 1947 in Aberdare (UK), lebt und arbeitet in London (UK)

Marysia Lewandoska
* 1955 in Szczecin (PL), lebt und arbeitet in London (UK)


Museum Futures: Distributed, 2008

Das Museum per se ist ein umstrittener Ort, denn die Techniken des Aufbewahrens, Ordnens und Präsentierens tragen das Erbe herrschaftlicher Gewalt in sich und werden seit Jahrzehnten von Künstlerinnen und Künstlern, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern immer wieder aufs Neue kritisiert, dekonstruiert und den unterschiedlichsten Therapien unterzogen. En vogue ist der Ruf nach Teilhabe und Transparenz, nach einer Auflösung der musealen Institutionen in Plattformen, auf denen Kunst nicht länger als Artikel oder Artefakt gesammelt und gezeigt wird, sondern als gesellschaftlicher Prozess entsteht. Wie bei allen Revolutionen stellt sich aber auch hier die Frage, was geschieht, sobald diese selbst zur Institution wird.
Marysia Lewandowska und Neil Cummings bieten uns als mögliche Antwort eine Zukunftsvision des Museums, die sich in der Form eines rückblickenden Interviews über die Geschichte des Moderna Museet darstellt – genauer gesagt, des Moderna v3.0 im Jahre 2058. Im Gespräch zwischen der Leiterin und einer Archivarin wird eine Entwicklung rekonstruiert, die über den Kollaps des Kunstmarkts als Warenhandel zu offenen, gemeinschaftlichen Praktiken geführt hat; eine utopische, globale Kunstwelt, wäre da nicht eine Spur des Unheimlichen – die emanzipatorischen Begriffe der freien Inhalte und der Teilhabe sind zum technokratischen Neusprech geworden, und hinter dem sozialen und ökologischen Engagement wirkt vor allem der Wille zur Verwaltung. So wundert es nicht, dass die Leiterin des Moderna v3.0 auf die Erwähnung institutionskritischer Künstler wie Hans Haacke nur mit Verunsicherung reagieren kann. (JB)

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Museum Futures: Distributed
, 2008